Rückkehr nach Himmelsrand

I find it appropriate to reveal this, the German version of Return to Skyrim, today, given the fact that the videogame on which the story is based was released on 11th November 2011. Return to Skyrim was posted exactly three years later, and its main character even stated that “[f]or three years I travelled these savage lands far and wide”. Consequently I’ve adjusted that line for the translation to seven years. Now I’m off to fire up my gaming rig and endanger the dragon population of the Old Kingdom!

Rückkehr nach Himmelsrand

Eine Fremde hatte die Taverne betreten. Was von ihr unter der Mantelkapuze zu erkennen war, als sie sich in der hintersten Ecke niederließ, verortete ihre Herkunft in der verheerten Provinz Morrowind. Von den anderen Tischen aus erhielt sie die bekannten Blicke, vom kurzen Streifen bis hin zum geringschätzigen Starren.

Ein Gast im besonderen schien Anstoß an ihrer Anwesenheit zu nehmen. Ein grobschlächtiger Geselle, nicht einmal in der Mitte seiner Jahre, doch bereits mit dem verhärmten Gesicht eines Mannes, der zuviele Winter gesehen hat.

Bei Akatosh, drei von vier Jahreszeiten in diesem götterverlassenem Land waren Winter!

Der Blonde genehmigte sich einen letzten Schluck aus seinem Metkrug und erhob sich alsbald, um selbstgefälligen Schrittes, wenn auch mit einem leichten Hinken, zu ihrem Tisch zu stolzieren. Die Fremde beäugte ihn dabei, unternahm jedoch nichts, um seiner Provokation zu begegnen. Er baute sich vor ihr auf, um sich sodann ungebeten auf einen freien Stuhl fallen zu lassen. Sie widerstand seinen höhnischen Blick, während sie ihren eigenen Krug in demostrativer Ruhe hin- und herschob. Nachdem er sich der Aufmerksamkeit seiner Gefährten vergewissert hatte, stieß der Blonde ein kurzes, spöttisches Lachen aus.

“Wie steht’s um den Roten Berg? Husten deine Leute noch immer Asche aus?”

“Wie steht’s um euren Unabhängigkeitskampf? Lassen sich deine Leute noch immer vom Kaiserreich ficken?”

So sehr war er von ihrer umgehenden und scharfen Erwiederung verblüfft, daß seine Wut erst Momente später ausbrach. Doch brach sie aus letztlich, und mit aller Wucht. Vor seinen Freunden lächerlich gemacht zu werden von einem Fremden, einem Weibe noch dazu!

Er sprang auf, auf seiner Stirn die gegabelte Ader hervorgetretend. Hinter ihm kippte sein Stuhl über und schlug mit dumpfen Knall auf den Steinfliesen auf.

“Sag’ das nochmal, wenn du dich traust! Dunkelelfenabschaum ist hier nicht willkommen! Anständige Männer haben für unsere Sache ihr Leben gegeben, und ihr Andenken wird nicht durch Pack wie dich beschmutzt werden!”

“Solche Worte hätte ich in den Gossen Windhelms erwartet. Kyneshain war mir stets als gastfreundliches Dorf erinnerlich. Doch da nun alle anständigen Männer ihr Leben gaben, liegt die Gastfreunschaft wohl in den Händen des traurigen Restes.”

Mit einem Zorneslaut zog der Blonde einen primitiven Orkdolch aus seinem Gürtel. Ein Donnerschlag schallte vom Tresen herüber, gefolgt vom Klirren und Scheppern des Geschirrs. Die Wirtin hatte eine kurze, doch massive Keule auf die Eichentheke herniederschmettern lassen.

“He! Wenn ihr die Farbe eures Blutes vergleichen wollt, dann macht das draußen! Denk’ aber an das letzte Mal, Ern!”

Der Blonde, Ern, verzog das Gesicht. Welchen Vorfall die Besitzerin der Düsterwald-Schenke auch immer andeutete; er schien für ihn keinen erfreulichen Ausgang gehabt zu haben. Seine freie Hand berührte sein Bein nahe dem Knie, als die Erinnerung zurückkehrte.

“Und Ihr…!”

Sie richtete ihre Keule gegen die Dunmer, bedacht darauf, Gewicht in ihrer Stimme zu halten. Von ihrem Platz hinter der Theke konnte sie erkennen, daß die Hände der Dunkelelfe die Hefte ihrer Zwillingsklingen gefunden hatten, welche unter ihrem Mantel verborgen lagen.

“Ihr solltet Eure Worte vorsichtiger wählen, wenn Ihr sie an einen wahren Nord richtet.”

“Wenn dies der Ort ist, einen zu finden, bin ich zur rechten Zeit angekommen.”

Unbehagliches Schweigen folgte für eine Weile.

“Und weshalb ist das so?”

Die Frage kam von einem Greis am Feuer, und die Fremde ergriff die Gelegenheit, zu allen Anwesenden zu sprechen.

“Ich kam nicht umhin, das Fehlen jeglicher Tiere in dieser Gegend zu bemerken. Alles Wild ist fort, und etwas treibt selbst Bär und Katze aus den höheren Wäldern.”

“Ein strenger Winter steht bevor”, sagte jemand halbherzig von der anderen Seite des Raumes voraus. “Die Hohen Lande spüren die Kälte bereits.”

Zustimmendes Gemurmel folgte.

“So nehme ich an, daß niemand von Euch in der jüngeren Zeit dort gewesen ist; daß niemand von Euch die versengten Hänge gesehen hat, oder die Mammutkadaver, aus denen faßgroße Stücke herausgerissen worden sind.”

“Alduin ist besiegt, mitsamt seiner ganzen Brut”, erklärte Ern mit noch immer hochrotem Gesicht.

“Da ihn sein Schicksal recht rasch ereilte, waren noch nicht alle seine Schergen erweckt worden. Besonders solche nicht, welchen eine besondere Rolle zugedacht war.”

“Und was für eine Rolle soll das sein?”, wollte der greise Zecher wissen.

Die Dunkelelfe gönnte sich eine dramatische Pause.

“Seine Truppen in die Schlacht zu führen. In den entscheidenen Waffengang, den er für die sterblichen Rassen Tamriels und ganz Nirns im Sinn hatte. Das Untier, das sich in den Hohen Landen erhoben hat, ist ein Bahsedovahhe, ein uralter Kriegerdrache.”

Ern war nicht überzeugt.

“Wie kommt es, daß eine umherstreifende Dunmer um solche Dinge weiß?”

Sie schickte ihm ein süffisantes Lächeln unter dem Rand ihrer Kapuze vorbei.

Die Wirtin umrundete die Theke. Sie hielt ihre tief geschartete Keule noch immer fest umklammert, jedoch nicht, weil sie weiteren Ärger mit ihrer Kundschaft erwartete.

“Sprecht, Elfe: Seit Ihr diejenige, die man ‘Drachengeborene’ nennt?”

Die Fremde begann erneut, mit ihrem Krug zu spielen.

“Seit sieben Jahren durchwandere ich diese rauhen Lande. Als Alduin fiel, sah auch ich bessere Tage vor uns. Doch meine Ohren sind scharf, und das Brüllen ist bis Markarth zu hören. Kein Zweifel besteht, daß―”

Sie wurde von dem Geräusch der Vögel unterbrochen, die dicht über die Taverne hinwegflogen. Manche verfingen sich im Reetdach, einige prallten sogar gegen die kleinen Giebelfenster. Jenseits der windschiefen Tür begannen die Pferde, in Panik zu wiehern.

Die Dunkelelfe warf einen Blick auf ihren noch immer vollen Metkrug.

“Das ist sehr viel früher, als ich erwartet habe…”

Ein Flattern von Flügeln schwoll an, Flügel größer als alles, was je einen Vogel hatte aufsteigen lassen. Für einen Moment verschwanden die Strahlen der tiefstehenden Nachmittagssonne, und das Kaminfeuer bewahrte als einziges die Taverne davor, in völlige Düsternis zu fallen.

Sie erhob sich und warf ihre Mantelenden zurück. Zwei gebogene Kurzschwerter wurden für jedermann sichtbar. Ein ohrenbetäubendes Brüllen ließ das Gebälk und selbst den Boden erbeben. Es wurde gefolgt von Schreien und Rufen verängstigter Dorfbewohner.

Die Drachentöterin nahm ihren Bogen auf und wandte sich an der Tür zu den verunsicherten Tavernengästen.

“Jede Waffe in ruhiger Hand ist hochwillkommen, auf daß diese Stätte nicht als erste von vielen brennt. Sagt mir, bin ich umgeben von wahren Nord?”

~ Ende ~

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